Eselwissen

Hier möchte ich eure Fragen beantworten, nach bestem Wissen und Gewissen und aufgrund eigener Erfahrung und Beobachtung. Bin aber keine Tierärztin oder so☺️. Außerdem findet ihr weiter unten noch ein bisschen komprimiertes Basiswissen über unsere Langohren.
Super fundierte Fachinfos zu Eseln findet ihr auch bei der Pferdepraxis Dr. Stoll http://www.pferdepraxis-stoll.de/index.php/pferdetierarzt-spezialgebiete/behandlung-von-eseln.html

Sind Ese eigentlich kleine Pferde?

Nein, ein Esel ist kein kleines Pferd mit langen Ohren. Ein Pferd ist ein Pferd und ein Esel ist ein Esel☺️. Bist du ein Pferdekenner und hast auf einmal deine Liebe zu Eseln entdeckt? Dann löschst du am besten für einen Moment dein Wissen über Pferde und lässt dich ganz neu auf den Esel und seine Individualität ein. Esel und Pferde haben natürlich viele Gemeinsamkeiten, schließlich gehören beide, wie auch die Zebras, zu der Familie der »Pferdeartigen« (Equiden). Aber Esel unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von Pferden, bei der Anatomie und Physiologie, in ihrer Herkunft und im Sozialverhalten. Esel sind keine Steppen- sondern Steinwüstentiere. Deshalb ist ein Esel auch ein trittsicherer und gemütlicher Langstreckengeher, der nur bei Gefahr mal einen Sprint einlegt. Auf längere Distanzen rennen, wie das die Pferde tun, käme einem erwachsenen Esel eher nicht in den Sinn. Esel haben auch andere Blut- und Vitalwerte und verstoffwechseln Futter und Medikamente effizienter. Sie schaffen es, selbst aus dem kargsten Raufutter noch Nährstoffe zu ziehen, weshalb sie auf saftigen Weiden krank schnell übergewichtig und krank werden können. Gerade bei der Hufpflege müssen eselerfahrene Hufbearbeiter ran, da ein Eselhuf andere Eigenschaften als Pferde. Da Esel aus sehr ariden Gebieten stammen, sind die feuchten Bedingungen in unserer Klimaregion nicht ideal. Die Hufe können stark aufquellen und bieten so eine Eintrittspforte für alle möglichen Bakterien. White line disease, Hufabzesse und Huffäule sind weit verbreitet und auf die Hufpflege muss großen Wert gelegt werden. Wissen kann man sich anlesen oder aber Eselkurse besuchen, die regelmäßig von verschiedenen Vereinen angeboten werden.

Warum haben Esel so lange Ohren?

Die charakteristisch langen Ohren des Esels sehen nicht nur schön aus, sie haben als Sinnesorgane auch viele Aufgaben zu erfüllen. So dienen sie in freier Wildbahn als Frühwarnsystem, um den Esel über viele Kilometer hinweg vor lauernden  Gefahren zu warnen. Es gibt sogar Berichte, nach denen ein Esel in flacher Wüste fast 70 Kilometer weit hören soll.

Esel nutzen ihre Ohren auch zur nicht-verbalen Kommunikation mit Artgenossen und Artfremden. So kann ein aufmerksamer Eselbesitzer alleine schon an der Stellung der Ohren erkennen, wie es seinem Langohr gerade geht - ob es zum Beispiel zu Späßen aufgelegt ist oder lieber in Ruhe gelassen werden möchte. Allerdings sind Esel in ihrem Ausdruck so individuell wie Menschen auch. So können zum Beispiel herabhängende Ohren bei dem einen Esel ein Zeichen von Entspannung sein, bei einem anderen aber auf Depressionen oder körperliche Schmerzen hindeuten. Darum ist es auch so wichtig, seine Esel genau zu kennen, um Verhaltensänderungen und Unwohlsein schnell zu erkennen. 

Im heißen Sommer kommt den langen Ohren noch eine andere, wichtige Aufgabe zu. Sie sind so etwas wie eine körpereigenen Klimaanlage und helfen dem Esel, seine Körpertemperatur zu regulieren. 

Ebenso wie die Tasthaare dürfen auch die Haare in den Ohren nicht gekürzt oder entfernt werden. Sie sind ein wichtiges Schutzschild gegen eindringende Insekten, Wasser und Schmutz.

Warum sind Esel eigentlich so süß? (Mia, 8 Jahre 🤗)

Esel sind ganz große Schmuser und lieben es, geliebt zu werden. Mit ihrem lässigen, witzigen und sanftmütigen Wesen gewinnen Esel die Herzen von immer mehr Menschen. Sie haben heilende Superkräfte und werden gerne als Therapietiere eingesetzt. Dabei gibt allerdings der Esel, nicht der Mensch den Ton an, was am Anfang etwas ungewohnt sein kann. Beim Spaziergang, Hufegeben usw. bestimmt der Esel das Tempo, wodurch er unsere Geduld und Gelassenheit trainiert. Mit Druck, Wut oder gar Gewalt erreicht man bei Eseln überhaupt nichts, darum werden auch immer öfter die Chefs von Unternehmen zur Eseltherapie angemeldet. Sie können oft richtig viel von den Eseln lernen.

Leider gibt es auch viele Esel, die in ihrem Leben nur schlecht behandelt wurden und dem Menschen gegenüber sehr misstrauisch sind. Diese Esel sind im Inneren genauso süß wie ihre Kollegen, können es aber noch nicht so zeigen. Sie haben einen hohen Selbsterhaltungstrieb und neigen dazu, sich mit allen Mitteln zu schützen und zu verteidigen. Da geht man dann lieber erst mal auf Abstand und lässt dem Esel seinen Raum, bis er sich etwas sicherer fühlt. Esel brauchen im Allgemeinen etwas länger, um Vertrauen aufzubauen. Aber sobald er dir vertraut, hast du einen süßen und treuen Freund fürs Leben gefunden.

 

Kann man Esel reiten?  

Man kann zu jedem Tier eine tiefe und wunderschöne Beziehung aufbauen, ohne jemals auf seinem Rücken gesessen zu haben. Ob man seinen Esel reitet oder nicht, ist wohl eine persönliche Entscheidung, allerdings gibt es dem Esel zuliebe einiges zu beachten.

Ein gesunder Hausesel mit gut ausgebildeter Muskulatur, geradem Rücken, intakten Gelenken und Hufen kann etwa 20 Prozent seines Eigengewichtes tragen. Bei einem Stockmaß von 115 cm wären das inklusive Sattel 30-40 kg. Esel haben eine andere Sattellage als Pferde, darum müssen spezielle Eselsättel oder Reitkissen verwendet werden. Viele Reiter lieben es, ohne Sattel zu reiten. Allerdings tut man damit dem Pferd oder Esel nicht immer einen Gefallen. Ohne Sattel wirkt das Gewicht des Reiters stark punktuell auf das Tier ein und das Gewicht verteilt sich nicht gleichmäßig. Bei gesunden Tieren und erfahrenen Reitern ist das sicher kein Problem. Aber viele Esel und Pferde haben einen Senkrücken oder schlecht ausgebildete Muskulatur und viele Reiter rutschen zu sehr hin und her, da ist es mit Sattel einfach besser.
 

Während ein Pferd bereits mit 3 Jahren eingeritten wird, sollen Esel erst mit 4 Jahren belastet werden, da die Entwicklung von Skelett und Muskulatur länger dauert.

In vielen Ländern müssen Esel oft das Doppelte ihres eigenen Körpergewichts schleppen und Lasten bis zu 1.000 kg ziehen. Diese armen Esel werden nicht alt. Die Überlastung, Unterernährung und Vernachlässigung führen zu schmerzhafter Arthrose, Erschöpfungsbrüchen, Herzinfarkten und schließlich zum totalen Zusammenbruch des Esels.

In Urlaubsländern solltet ihr prinzipiell darauf verzichten, euch von Eseln, Pferden, Mulis, Kamelen, Elefanten durch die Gegend tragen oder ziehen zu lassen. Glücklicherweise haben wir eigene Beine oder können zwischen diversen Verkehrsmitteln wählen.

Sind Esel wirklich so stur?

Esel sind Freidenker und wesentlich schwerer zu dressieren oder zu überzeugen als Pferde. Nur selten wird man einen Esel an der Longe im Kreis trotten sehen, da diese Tätigkeit für ihn einfach keinen Sinn ergibt. Esel haben ihre eigene Sprache, die von den Menschen oft missverstanden wird. Ein Esel, der stehenbleibt und nicht weiterlaufen möchte, folgt nur seinem angeborenen Urinstinkt: Stehenbleiben, wenn eine Situation als bedrohlich erscheint. Auch hier zeigt sich wieder der Unterschied zum Pferd. Ein Pferd ist ein Fluchttier aus der Steppe mit ausgeprägtem Fluchtverhalten. Bei drohender Gefahr nimmt es schleunigst Reißaus und galoppiert vorsichtshalber erst einmal davon. Esel aber kommen ursprünglich aus gebirgigen Steinwüsten, in denen jeder unüberlegte Schritt zum Absturz und damit zum Tod führen könnte. Esel sind daher sehr besonnen und denken gerne ausgiebig nach, ein kopfloses Davongaloppieren kommt für sie nicht in Frage. Wenn ein Esel also stehenbleibt und nicht mehr zum Weiterlaufen zu bewegen ist, dann findet er irgendetwas nicht ganz geheuer in seiner Umgebung. Er braucht dann ausreichend Bedenkzeit, um die Lage genauestens zu analysieren. Ist die Luft rein, wird der Esel auch wieder weiterlaufen. Esel entfernen sich generell nicht gerne von ihren Artgenossen, schon gar nicht von dem besten Freund. Manchmal bleiben Esel auch stehen, wenn sie dem Menschen am anderen Ende des Führstricks noch nicht so ganz vertrauen, weil er ihnen fremd ist. Dann muss man einfach Geduld haben und das Vertrauen nach und nach aufbauen. Die intelligenten Langohren werden also zu Unrecht als störrisch und stur bezeichnet. Aber trotzdem kommt es vor, dass ein Esel stehen bleibt, weil er einfach keine Lust mehr hat ☺️.

Was essen Esel am liebsten?

Zwischen dem, was Esel am liebsten essen und dem, was sie tatsächlich essen dürfen, liegen Welten. Esel sind kleine Naschkatzen und würden am liebsten den ganzen Tag Wassermelonen, Bananen, Äpfel, Karotten, knackiges Brot und saftiges Grün essen. Aber all das sollen sie höchstens mal in kleinen Mengen in Ausnahmefällen bekommen, z.B. wenn sie abgemagert sind oder bei Krankheit jedes andere Futter verweigern. Was Esel wirklich brauchen ist hochwertiges und staubfreies Raufutter wie Heu und etwas Stroh, hartes, überständiges Gras, sauberes Wasser und einen Leckstein. Außerdem knabbern sie an Baumwurzeln- und rinden, da sie hier ätherische Öle, Bitterstoffe und kleine Mengen Traubenzucker finden. Mineralstoffe und Vitamine müssen nach Bedarf zugefüttert werden. Recht häufig kommt Zinkmangel vor und sollte nach Analyse substituiert werden. Bei den Mineralstoffen ist allgemein auf eine hohe Bioverfügbarkeit zu achten, was bei naturbelassenen Produkten eher der Fall ist als bei synthetischen.

Woher stammt der Esel?

Der afrikanische Wildesel, Vorfahre unserer Hausesel, lebte ursprünglich in den kargen Steinwüsten Nordafrikas und war ideal an diese Umgebung angepasst. Auch unsere heutigen Hausesel tragen noch immer diese Veranlagung in sich, weshalb es diese großen Unterschiede zum Pferd gibt.

Müssen Esel im Sommer geschoren werden?

Gesunde Esel müssen nicht geschoren werden. Sie verlieren ihr Fell später im Jahr als Pferde, da sie eine höhere Lufttemperatur für den Fellwechsel brauchen. Die Natur hat sich viele Gedanken gemacht und darum hat auch das Fell der Esel im Sommer einige wichtige Funktionen. Es dient zur Kühlung, zur Insektenabwehr und als wichtiger Schutz gegen Sonnenbrand. Dennoch gibt es Gründe, einen Esel partiell zu schweren. Sehr alte und kranke Esel haben manchmal eine gestörte Thermoregulation und können die Temperatur nicht mehr gut regulieren. Auch bei bestimmten  Hautkrankheiten und Parasitenbefall muss man darüber nachdenken, die betroffenen Stellen zu scheren.

Nochmal ein bisschen was zusammengefasst

🦄 Esel sind keine Pferde mit langen Ohren, sondern Wesen mit eigener Anatomie und Physiologie, mit individuellen Verhaltensmustern und Bedürfnissen. So werden z.B. Medikamente anders verstoffwechselt und auch die Blutwerte sind nicht analog zum Pferd zu interpretieren.

🦄 Esel sind sehr kluge, neugierige und verspielte Tiere. Sie studieren das Verhalten der Menschen ganz genau und lernen schnell, wie sich die Türen und Riegel vom Stall am besten öffnen lassen.

🦄 Die berühmten langen Ohren sehen nicht nur toll aus und dienen der Kommunikation, sie fungieren als Klimaanalage und regulieren die Körpertemperatur. Eine Körpertemperatur von 40 Grad ist bei einem gesunden Esel noch kein Grund zur Sorge. Esel können ihre langen Ohren um 180 Grad drehen und bekommen so alles mit, was um sie herum geschieht. Den Ruf eines anderen Esels können sie bis zu 60 km weit hören.

🦄 Die meisten Esel hassen Wasser wie die Pest, da ihnen das wasserabweisende Unterfell der Pferde fehlt. Ein Esel muss nicht gewaschen werden, er badet am liebsten in der warmen Erde der in Asche.

🦄 Esel denken oft freiheitlicher als Pferde und hinterfragen viel. Sie tun nur Dinge, die in ihren Augen Sinn ergeben. An der Longe im Kreis zu laufen kommt für einen Esel eher nicht in Frage, das wäre ihm zu langweilig.

🦄 Esel laufen barfuß, ohne Hufeisen. So haben sie direkten Kontakt zu Mutter Erde und erhalten durch diese Verbundenheit jede Menge wichtige Informationen.

🦄 Entgegen aller Erzählungen sind Esel keine Lastentiere. Ein gesunder Esel soll maximal 20% seines eigenen Körpergewichts tragen.

🦄 Esel können bei guter Haltung 50 Jahre und älter werden.

🦄 Esel haben ein hervorragendes Gedächtnis und vergessen nichts. Sie gehen oft lebenslange Verbindungen ein und es bedeutet für sie enormen Stress, wenn sie von ihrem Partneresel getrennt werden (auch wenn es nur für einen Spaziergang ist).

🦄 Esel sind empathisch und sanftmütig, weshalb sie auch gerne als Therapietiere eingesetzt werden.

🦄 Esel sind an karge Vegetation angepasst. Sie brauchen Raufutter, Holz, Baumblätter, sauberes Wasser und einen Leckstein. Nährstoffreiche Weiden sind für Esel nicht geeignet.

🦄 Esel sind nicht stur (nur manchmal), sie haben lediglich einen hohen Selbsterhaltungstrieb. Während ein Pferd bei Gefahr losläuft, bleibt ein Esel wie angewurzelt stehen, um die Lage genauestens zu sondieren. Im Angriffsfall ist er ein Nahkämpfer und stellt sich seinem Feind. Sein natürliches Habitat sind geröllige Steinwüsten, wo ein unüberlegter Schritt bereits den Tod bedeuten könnte. So wird auch heute noch eine Pfütze im Wald mit größter Skepsis beäugt, schließlich sieht man nicht, wie tief es da noch runter geht. Vertrauen gewinnt man bei Eseln nur mit Geduld, dann lassen sie sich auch mal dazu überreden, durch eine dieser eselfressenden Wasserpfützen zu laufen 😊.